IPPK Institut für Philosophie, Psychoanalyse und Kulturwissenschaften - das Logo


Vorträge / Seminare

Das IPPK veranstaltet regelmäßig Vorträge und Seminare, welche allen Interessierten offenstehen. In diesen kürzeren Veranstaltungsformen sollen Philosophie, Psychoanalyse, Kunst und Kulturwissenschaften miteinander in Austausch geraten, um neue Perspektiven zu erschließen.

Folgend finden Sie Hinweise zu den kommenden Seminar- und Vortragsveranstaltungen, je bestehend aus Vortrag und Diskussion.

Bitte melden Sie sich für einen Vortrag unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an. Sie erhalten dann einen Zugangscode (Zoom), Eintritt jeweils ab 19:15 Uhr. Der Kostenbeitrag beträgt 5 Euro (per Banküberweisung), für Studierende und prekär Beschäftigte ist die Teilnahme frei. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Anmeldebestätigungsmail.

 

18. 10. 2021

19:30 – 21:00, online

Birgit Meyer zum Wischen, Sylt/Hamburg

Von der Deckerinnerung zum Decktrauma: Zeichen einer veränderten psychoanalytischen Klinik?

Die Deckerinnerung kann als eine nach den Regeln der Traumarbeit kunstvoll dechriffriebare unbewusste Bildung verstanden werden. Ihr fantasmatischer Charakter gibt dem Begehren des Subjekts einen Rahmen und verschleiert zugleich seinen traumatischen Kern. 

In der heutigen Praxis treffen wir jedoch eher auf extrem faktisch wirkende Schilderungen realer traumatischer Ereignisse, die sich nur schwer dialektisieren lassen. Sie versperren eher den Zugang zum Fantasma und auch zum eigentlichen Trauma. Wir wollen in diesem Vortrag die theoretischen Implikationen dieser Verschiebung untersuchen, um daraus Konsequenzen für die Praxis abzuleiten.

Birgit Meyer zum Wischen SepiaBirgit Meyer zum Wischen, Dr. phil., Studium der Philosophie, Sprach- und Literaturwissenschaft in Düsseldorf, Bonn, London/Ontario und Los Angeles; Promotion in Kulturwissenschaft an der Humboldt Universität Berlin. Psychoanalytische Ausbildung in Berlin, Köln und Paris, Mitgründerin der PsyBi Berlin 2011. 2009 - 2016 Salonière des Psychoanalytischen Salons Berlin. Psychoanalytische Praxis seit 2012 in Berlin und Westerland auf Sylt. Veröffentlichungen zu Vegetarismus, Todestrieb und Begehren des Analytikers.
(Foto: Privatbesitz)

 

22. 11. 2021

19:30 – 21:00, online

Lutz Götzmann, Berlin

Die Kraft des Widerspruchs – das Reale mit Hegel und Lacan

In Hegels Phänomenologie des Geistes erkennen wir den Widerspruch als das bewegende Moment der Bildungsreise des Bewusstseins. Alle symbolischen Formen – Wissens- und Sprachformen, die Gegenstände selbst – gehen aus dem widersprüchlichen Verhältnis von Subjekt und Substanz hervor und tragen die Negativität einer Nicht-Koinzidenz zugleich in sich. Der Widerspruch, so könnte man sagen, als das Reale.

Ganz ähnlich bei Lacan, in dessen Bestimmung des Realen der Widerspruch ebenfalls seinen Wert hat: Nicht nur steht das Reale für das Zusammenfallen einer Reihe vermeintlich unvereinbarer Bestimmungen – mehr noch ist es der reine Selbstwiderspruch, das Moment einer dem Symbolischen inhärenten Unmöglichkeit. Lacan zu hegelianisieren, indem wir in Hegel nachträglich einen Denker des lacanschen Realen erblicken, auf diese Weise ließe sich etwas über das Reale lernen. Wir wenden diese Gedanken auf psychoanalytische Klinik an, etwa im Zusammenhang mit psychosomatischen Erkrankungen und Traumafolge-Störungen.

Lutz GoetzmannLutz Götzmann, Prof. Dr. med. Psychoanalytiker (SGPsa / IPV), tätig in eigener psychoanalytischer Praxis in Berlin. - Studium der Medizin in Homburg / Saar, psychoanalytische Ausbildung am Freud-Institut Zürich und Habilitation am Universitätsspital Zürich. 2011 – 2020 Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Bad Segeberg, seit 2014 APL-Professur an der Universität zu Lübeck. Mitbegründer des Instituts für Philosophie, Psychoanalyse und Kulturwissenschaften (IPPK) und Mitherausgeber der Zeitschrift „Y – Zeitschrift für Atopisches Denken“. Zahlreiche Publikationen zur psychoanalytischen Psychosomatik.

 

13. 12. 2021

19:30 – 21:00, online

Hilmar Schmiedl-Neuburg, Boston/Kiel

Atopik und Nomadisches Denken bei Deleuze

Das Nomadische Denken ist für Gilles Deleuze und Félix Guattari eine Form subversiven Denkens, das in seiner Ortlosigkeit und Ungreifbarkeit Hierarchie, Herrschaft und Homogenität in Denken, Subjektivität und Gesellschaft unterläuft. In diesem Vortrag wird diese Nomadologie Deleuzes in ein Gespräch mit anderen Formen nomadisch-atopischen Denkens gebracht und in ihrer Bedeutung für Philosophie, Psychoanalyse und Kulturwissenschaft beleuchtet.

Hilmar Schmidl NeuburgHilmar Schmiedl-Neuburg ist einer der beiden Direktoren des Instituts für Philosophie, Psychoanalyse und Kulturwissenschaften. Er lehrt als Privatdozent am Philosophisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und am Department of Philosophy der University of Massachusetts Boston, sowie als Dozent am John-Rittmeister-Institut für Psychoanalyse, Kiel. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Vertretungsprofessuren, Gastdozenturen und Fellowships in Kiel, Hamburg, Wien, Prag und Harvard. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen in der Deutschen und Französischen Theoretischen Philosophie des 19.-20. Jh., der Kulturphilosophie und Existenzphilosophie, der Antiken und der Asiatischen Philosophie, sowie auf dem Verhältnis von Philosophie und Psychoanalyse.

 

10. 1. 2022

19:30 – 21:00, online

Sonja Witte, Berlin

Ware Bilder – Zum Unheimlichen des Unbewussten in der Kulturindustrie

 Mit dem Begriff „Kulturindustrie“ sind in der Kritischen Theorie Adornos verschiedene Überlegungen zu kulturellen Prozessen und Phänomen im Kapitalismus verbunden. Dabei geht es u.a. um die Frage, inwiefern das gesellschaftliche Prinzip der Warenförmigkeit in medialen Techniken und Ästhetiken sowie deren Rezeption wirksam ist. Hieran anknüpfend nimmt der Vortrag insbesondere unbewusste Aspekte der Beziehung zwischen Bildern und Subjekten in den Blick – und zwar ausgehend von Freuds Theorie des Unheimlichen. Entlang von Filmmaterial (u.a. aus „Die fabelhafte Welt der Amélie“; F 2001, P. Jeunet) wird der Annahme gefolgt, dass das Unheimliche ein Bereich ist, in dem konflikthafte Konstellationen kulturindustrieller Prozesse für Subjekte in Erscheinung treten können. Im Unheimlichen – so lautet die These – kommen poröse Momente kultureller Vergesellschaftungsprozesse zum Vorschein, in denen sich Ambivalenzen von Schrecken und Lust der Warenförmigkeit geltend machen.

Sonja Witte SepiaSonja Witte ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im MA-Studiengang Kulturwissenschaften – Psychoanalyse und Kultur an der International Psychoanalytic University (IPU) Berlin sowie als freiberufliche Referentin und Lehrbeauftragte u.a. an der Universität Bielefeld tätig. Sie promovierte an der Universität Bremen, die Dissertationsschrift „Symptome der Kulturindustrie – Dynamiken des Spiels und des Unheimlichen in Filmtheorien und ästhetischem Material“ ist 2018 im transcript-Verlag erschienen. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Psychoanalytischer Subjekt-, Medien- und Kulturtheorie, Kritischer Theorie und Sexualitäts- und Geschlechterforschung.

 

14. 2. 2022

19:30 – 21:00, online

Katinka Schweitzer, Hamburg

weiblich männlich divers

Warum Geschlecht (sich) so schlecht denken lässt 

 

 



Vergangene Veranstaltungen

 29. 3. 2021

19:30 – 21:00, online

Hilmar Schmiedl-Neuburg, Boston/Kiel

Die Atopik des Sokrates

Sokrates, der der Philosophie ihren Namen gab und mit seinem Wirken als zentrale Gründungsfigur der Philosophie gilt, erscheint durch seine eingehende Darstellung in den platonischen Dialogen wohlvertraut. Und doch entzieht sich die Figur des Sokrates dem verortenden, einordnenden, begreifenden, verstehenden Zugriff, erscheint als ortlos, ungreifbar, verkehrt, seltsam, atopisch. Dieser Atopik des Sokrates in ihrer Bedeutung für die Philosophie nachzugehen, ist das Anliegen dieses Vortrags.

Hilmar Schmidl NeuburgHilmar Schmiedl-Neuburg, PD Dr. phil., ist einer der beiden Direktoren des Instituts für Philosophie, Psychoanalyse und Kulturwissenschaften. Er lehrt als Privatdozent am Philosophischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und am Department of Philosophy der University of Massachusetts Boston, sowie als Dozent am John-Rittmeister-Institut für Psychoanalyse, Kiel. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Vertretungsprofessuren, Gastdozenturen und Fellowships in Kiel, Hamburg, Wien, Prag und Harvard. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen in der Deutschen und Französischen Theoretischen Philosophie des 19.-20. Jh., der Kulturphilosophie und Existenzphilosophie, der Antiken und der Asiatischen Philosophie, sowie auf dem Verhältnis von Philosophie und Psychoanalyse. 


 19. 4. 2021

19:30 – 21:00, online

Michael Meyer zum Wischen, Sylt/Hamburg

Die A(a)-topie des Subjekts bei Lacan als Orientierung der psychoanalytischen Klinik 

Lacan hat sich auf den Satz Rimbauds: "Ich ist ein Anderer" bezogen, um die fundamentale Dezentrierung des Subjekts zu unterstreichen, das sich stets an einem anderen Ort findet als an dem, an dem es sich zu befinden glaubt.

Diese Dezentrierung und Exzentrizität, seine grundlegende Exterritorialität, findet sich zum Beispiel in der Spaltung des Subjekts zwischen begehrendem Ich und narzisstisch-imaginären Selbstbild. In der heutigen Klinik ist die Infragestellung der vom Analysanten behaupteten und verteidigten Selbstverortung ein wichtiger Schritt. Seine Verankerung im Diskurs des Anderen spielt eine entscheidende Rolle, wozu das von Genevieve Morel untersuchte "Gesetz der Mutter" gehört. Darüber hinaus ist das Subjekt aber auch vom Objekt a dezentriert, das ihn als immer schon verlorener Rest aus der Ferne heimsucht und zugleich bestimmt. Beide Aspekte - die Entortung durch den großen Anderen und das Objekt a - sind auch für die klinische Praxis äußert hilfreich, da sie ermöglichen, einen Platz des Subjekts in der Kur zu erfinden, der als Sammlungspunkt seiner basalen topischen Zerrissenheit dienen kann. 

Michael Meyer zum Wischen SepiaMichael Meyer zum Wischen, Dr. med., Studium der Humanmedizin und Promotion zur Psychiatriegeschichte in Gießen.  Psychoanalytische Ausbildung in Göttingen und Köln, gruppenanalytische Ausbildung in Tiefenbrunn und Köln.  Ab 1998 tätig in psychoanalytische Praxen in Köln, Berlin und in Westerland auf Sylt. 2004 bis 2013 psychoanalytischer Bildungsgang in Paris, 2004 Mitgründung des Psychoanalytischen Kollegs, 2011 Gründung der Kölner Akademie für Psychoanalyse Jacques Lacan, 2012 Gründung der Zeitschrift Y. Veröffentlichungen besonders zu Fragen der Psychose und Borderline-Störungen, sowie zu Marguerite Duras und Hilda Doolittle.
(Foto: Privatbesitz)

 

 17. 5. 2021

19:30 – 21:00, online

Melanie Reichert, Kiel

Jouissance – Resonanzen zwischen Barthes und Kristeva

Für das Denken Roland Barthes wird in den Siebzigerjahren der Topos der Jouissance bedeutsam, der ausgehend von Jacques Lacan durch Julia Kristeva einige Bedeutungsverschiebungen erfahren hat. Der Vortrag öffnet ausgehend davon einen Resonanzraum zwischen Kristeva und Barthes. Anschließend wird die philosophische Systematik einer Erotisierung der Kulturkritik beleuchtet, die Barthes mithilfe des Topos der Jouissance in seinen späten Texten vornimmt.

Melanie ReichertMelanie Reichert, Dr. phil., ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Philosophischen Seminar der Universität Kiel und Lehrbeauftragte an der Muthesius Kunsthochschule. 2019 wurde sie mit einer Arbeit über Bertolt Brecht, Antonin Artaud und Roland Barthes promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Kulturphilosophie, Systematik der Kulturkritik sowie Ästhetik und Epistemologie. Momentan arbeitet sie an einem neuen Buchprojekt über Lachen, Gewalt und Spiel. Sie ist Mitbegründerin des Instituts für Philosophie, Psychoanalyse und Kulturwissenschaften (IPPK).

 

21. 6. 2021

19:30 – 21:00, online

Marie von Heyl, Berlin

Das ist es!  — Das ist es nicht! 

Über das Künstler-Begehren bei Jacques Lacan und Roland Barthes 

In seinem 19. Seminar … Ou Pire / … Oder Schlimmer formuliert Jacques Lacan eine Anti-Wittgenstein’sche These: es sei zwar korrekt, dass die Sprache nicht alles sagen könne, was uns jedoch nicht davon abhalte, ununterbrochen zu sprechen. Das Unaussprechliche, so Lacan, hat nicht alleine im Mystischen seinen Ort, sondern es zeigt sich mitten in der Sprache, nämlich dort wo sie scheitert, sich verhakt, sich widerspricht. Das stets sein Ziel verfehlende Begehren sei nur auf der Ebene des Anspruchs zu fassen, nämlich dort, wo dieser dem Begehren nicht genügt. Unter den wechselnden Ansprüchen verberge sich die immer gleiche Aussage: “Das ist es nicht”.

Roland Barthes wiederum spricht von Momenten der Erhellung, in denen das Subjekt ein bestimmtes Detail eines Gegenstandes als ein Objekt des Begehrens “wiedererkennt,” was es mit dem affektiven Ausruf “Das ist es!” kundtut. In seiner Vorlesungsreihe Das Neutrum bringt er diese Äußerung mit dem Gefühl der Eingebung in Verbindung: das Denken bricht aus der kausalen Kette aus und springt ins Unbekannte.
Beide Ausrufe, “Das ist es!” (Barthes) und “Das ist es nicht!” (Lacan) beziehen sich auf ein verlorenes oder nie da gewesenes Objekt, das entweder stets verfehlt oder erst in seiner Fremdheit (wieder)erkannt wird. Welche Positionierungen zum Begehren, insbesondere zum Künstler-Begehren, lassen sich in der Gegenüberstellung beider Autoren ablesen? Im Vortrag wird die These formuliert, dass sowohl der Einfall als Wiederkennen des Unbekannten (Das ist es!) als auch das stete Verfehlen des verlorenen Objekts (Das ist es nicht!) die produktive Unruhe des Schaffens antreiben.

Marie von Heyl SepiaMarie von Heyl ist freischaffende Künstlerin und Autorin. Studium der Kunst und Philosophie in Stuttgart, Berlin und London. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Subjekt-Objekt-Relationen und den produktiven Unzulänglichkeiten von Sprache. Seit Anfang 2020 publiziert sie den Podcast „Eclectic Engineering“ mit Gesprächen zu Kunst, Philosophie, Feminismus und Psychoanalyse.
(Foto: Privatbesitz)

 

5. 7. 2021

19:30 – 21:00 Uhr, online

Insa Härtel, Berlin

Reibend und/oder reizend: Wie ist das »Zwischen« von Psychoanalyse und Kultur bzw. deren Wissenschaften beschaffen?

In diesem Vortrag möchte ich einen von mir herausgegebenen Band zum möglichen Zusammenspiel der Herangehensweisen vorstellen und den »Übergriff« beleuchten, der sich mit fächerübergreifenden Forschungen dieser Art verbindet. Bei dem Band handelt es sich um: Reibung und Reizung. Psychoanalyse, Kultur und deren Wissenschaft. Textem Verlag, Hamburg 2021.

Insa Härtel SepiaInsa Härtel, Dr. phil. habil., Professorin für Kulturwissenschaft an der International Psychoanalytic University Berlin (IPU); Schwerpunkte: Psychoanalytische Kunst- und Kulturtheorie, Sexualitäts- und Geschlechterforschung. https://www.ipu-berlin.de/professoren/haertel-insa/

(Foto: Privatbesitz)

 

30. 8. 2021

19:30 – 21:00, online

Martin Weimer, Kiel

"Die talmudische Denkweise kann ja nicht plötzlich aus uns verschwunden sein"

 Ich schlage eine gruppenanalytische Re-Lektüre der Todestrieb-Hypothese Freuds vor. Ich halte den Antisemitismus für die bedeutendste soziale Repräsentanz dieses Triebes. Daran gemessen fällt das symptomatische Schweigen der Gründer der beiden bedeutendsten gruppenanalytischen Schulen über den Antisemitismus auf. In seinen christlichen Identifizierungen gehörte Bion gewiss zum britischen Establishment, der assimilierte Jude S. H. Foulkes dagegen zu den britischen Außenseitern, was ich an einer beispielhaften Szene zwischen beiden Protagonisten zeigen will. 

Die von S. H. Foulkes begründete gruppenanalytische Schule hat dagegen ihre Ursprünge im vorfaschistischen Frankfurter Institut für Sozialforschung. Sie hat bis hinein in die Methodiken der Gruppenexperimente Adornos und anderer zu den faschistischen Identifizierungen dort weiter gewirkt. Ich will abschließend zeigen, dass das von Foulkes geschaffene gruppenanalytische Setting, anders als das von Bion begründete, als eine post-religiöse Realisierung der rabbinisch-jüdischen Tradition gesehen werden kann und daher dafür einsteht, dass Auschwitz nicht das letzte Wort hatte.

Martin Weimer SepiaMartin Weimer, Theologe, Pastoralpsychologe (DGfP), Gruppenanalytiker (D3G). Langjähriger Leiter des Ev. Beratungszentrums und der Telefonseelsorge Kiel, zahlreiche Publikationen zu pastoralpsychologischen und gruppenanalytischen Themen. http://weimer-gruppenanalytische-praxis.de

(Foto: Privatbesitz)

20. 9. 2021

19:30 – 21:00, online

Ludwig Janus, Heidelberg

Die Psychodynamik des vorsprachlichen Erlebens in der individuellen und kollektiven Geschichte

Das vorsprachliche Erleben wurde in der Geschichte der Psychoanalyse und Psychotherapie in seiner Eigenbedeutung unterschätzt. Es schien als unbewusst und der frühkindlichen Amnesie verfallen und die Zeit vor der Geburt wurde wesentlich als biologisch geprägt angesehen.

Im Rahmen der „Pränatalen Psychologie“ wurde jedoch die Erlebnisbedeutung vorgeburtlicher, geburtlicher und nachgeburtlicher Erfahrungen in ihrem eigenen Charakter als ein empfindungsnahes traumartiges  Erleben erfasst und erforscht und im Rahmen der „Psychohistorie“ wurde die kollektivpsychologische Bedeutung dieses Erlebens für das gesellschaftliche Leben und die kulturellen Gestaltungen erfasst und erforscht, sodass heute ein Überblick über dieses neue Wissen für das Verständnis der individuellen Entwicklung und des gesellschaftlichen Geschehens und der kulturellen Gestaltungen gegeben werden kann.

Ludwig Janus SepiaLudwig Janus, Jg. 1939, Dr. med., Facharzt für Psychotherapie  in eigener Praxis in Dossenheim bei Heidelberg; Psychohistoriker, Pränatalpsychologe und Ausbilder in der Förderung der vorgeburtlichen Mutter-Kind-Beziehung: www.Ludwig-Janus.de. Leiter des Instituts für Pränatale Psychologie und Medizin, www.praenatalpsychologie; www.geburtserfahrung.de. Korrespondenzadresse: Dr. med. Ludwig Janus, Jahnstr. 46, 69221 Dossenheim; Tel. 06221 801650; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
(Foto: Privatbesitz)